Manuelle Objektive

Alte Schätze in neuem Licht

Wenn Sie in ihrem Schrank oder auch auf dem Flohmarkt Kamera-Objektive aus der guten alten analogen Zeit finden, fragen Sie sich vielleicht, was man damit im Zeitalter der Digitalfotografie noch anstellen kann. Schließlich prangen auf dem Objektiv renommierte Namen wie Carl Zeiss, Canon, Leica, Nikon oder Pentacon. Und wahrscheinlich hat jemand vor langer Zeit ein kleines Vermögen dafür ausgegeben. Meine persönlichen Favoriten finden Sie auf dieser Seite, einmal für das Vollformat und einmal für das Mittelformat.

Die genannten Hersteller sind nicht ohne Grund seit Jahren im Bereich der Fotografie vertreten. Was kann man diesen Schätzen mit manuell verstellbarem Fokus also in der heutigen Zeit noch abgewinnen?

Der eigene Stil

Fangen wir mit den einzigartigen Eigenschaften an welche alte Objektive so interessant machen. Vielleicht entdecken Sie dadurch ihre Leidenschaft fürs Fotografieren ganz neu.

Die Bilder, welche mit einem hochwertigen Retro-Objektiv geschossen werden, haben ihren ganz eigenen Stil. Natürlich kann man in Zeiten von Photoshop alle möglichen Filter auf seine digitalen Bilder anwenden. Aber das kostet viel Zeit und Muße, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen oder verschlimmbessert das Foto oftmals auch nur.

Viel eleganter ist es, die Stärken der Vintage-Objektive direkt beim Ablichten zu nutzen. So bekommt das Bild Charakter indem Farben objektivspezifisch dargestellt und Schärfe-Unschärfe-Verläufe einzigartig ausgeprägt werden. Dadurch bekommen die Bilder eine ganz eigenständige Ästhetik und es kann viel Freude bereiten mit unterschiedlichen Objektiven und Einstellungen wie Blende und Fokus zu experimentieren. Nach und nach entwickelt man ein Gefühl dafür, welches Objektiv für welches Motiv geeignet ist und das Fotografieren zum künstlerischen Hobby macht.

Ein weiterer Aspekt in unserer hektischen Zeit: alte Objektive haben eine manuelle Steuerung. Sie können das Motiv ganz bewusst gestalten und Blende und Fokus händisch einstellen. Das zwingt zu einer gewissen Entschleunigung und man bekommt einen ganz anderen Blick für das Bildmotiv. Somit kann das Fotografieren geradezu einen meditativen Aspekt gewinnen und man nimmt seine Umgebung viel achtsamer wahr.

Der wirtschaftliche Aspekt

Wer ernsthaft fotografiert (oder in dieses interessante Thema tiefer einsteigen möchte), ist meist mit einer Kamera mit Wechselobjektiven unterwegs und weiß, dass verschiedene Motive mit unterschiedlichen Objektiven am besten abgelichtet werden können.
Jetzt hat man für eine gute Systemkamera schon ordentlich Geld ausgegeben und stellt fest, dass die Objektive ebenfalls ordentlich zu Buche schlagen.

Eine Variante wäre es hier bei den üblichen Verdächtigen nach günstigen neuen Objektiven z.B. aus Fernost zu suchen. Allerdings muss man sich fragen, ob man dann wirklich ein optisch hochwertiges Produkt erwarten darf.

Viel verlockender erscheint es, die hochwertigen Gläser an die Kamera zu adaptieren. Dazu gibt es unterschiedliche Anschlussformen, weil jeder Kamerahersteller die Kunden an seine Objektive binden möchte. So gibt es z.B. die Objektivanschlüsse M42, Canon MD, Nikon F oder Minolta MD. Diesem Thema widmen wir uns im Detail auf der Seite Adapter. Kostentechnisch kommt man dadurch meist günstiger als mit der Neuanschaffung und qualitativ sind die alten manuellen Objektive oft ebenbürtig.

Worauf sollte man achten?

Nicht jedes “Altglas” ist allerdings perfekt. Genau wie beim Gebrauchtwagenkauf muss man schon auf ein paar Dinge achten um Freude am “alten Gebrauchten” zu haben.

Der erste Check betrifft die Optik, im wahrsten Sinne des Wortes. Man sollte die Linse darauf prüfen ob diese Kratzer und Schlieren hat, auch können die Objektive vom sogenannten Glaspilz befallen sein. Auch das Gehäuse sollte man auf Macken überprüfen, ein heruntergefallenes Objektiv ist wahrscheinlich nicht der beste Kandidat für unsere Sammlung.

Damit kommen wir zur Mechanik. Man sollte generell beim Kauf alter Objektive darauf achten, dass diese einen Blendenring besitzen. Ist dies nicht der Fall, müssten Sie immer die Blende nutzen, die an dem Objektiv als letztes eingestellt wurde da diese dann manuell nicht mehr verstellt werden kann.
Hat man das Objektiv in der Hand sollte man es auf fehlerfreie Funktion testen. Lässt sich der Fokusring leichtgängig drehen? Wie sieht die Adapterseite des Objektivs aus (im Idealfall hat man beim Kauf eine passende Kamera dabei und prüft, ob die Adaption problemlos klappt)?

Ich will mehr – aber woher?

Fragen Sie bei Freunden und Verwandten, machen Sie wieder einmal eine Stippvisite auf den Flohmarkt oder suchen Sie im Internet z.B. bei Ebay. So können Sie ihre Sammlung vervollständigen. Sie können Sich ja auf bestimmte Anschlussformate beschränken, wenn Sie schon einen bestimmten Adapter haben.

Wenn Sie wissen möchten, was andere Liebhaber zu einem bestimmten Vintage-Objektiv für ihre Kamera sagen, kann ich ihnen den digicamclub empfehlen.