Mittelformat-Objektive adaptieren

Fremd-Objektive zu adaptieren, hatte bereits beim Vollformat ein gewisses Suchtpotential bei mir entfacht. Meine erste Mittelformat-Systemkamera hat dem nun neuen Nährboden gegeben und eine bislang unbekannte Welt begehrenswerter Optiken eröffnet. Mittelformat-Objektive adaptieren an die Fujifilm GFX 50 hat nun einen besonderen Reiz, wie auch das Interesse der Nutzer im FujiX-Forum bestätigt. Zunächst spielte deren Gewicht bei meiner Auswahl eine gewisse Rolle. Die relativ leichten Pentax-Objektive der 645er Serie eignen sich daher recht gut. Ich habe inzwischen ein FA Standard-Zoom mit 45-85mm, für Landschaft ein superscharfes FA 35mm, das A 120er Makro, das kompakte FA 150, das vielseitige und leichte Telezoom FA 150-300mm sowie das FA 400mm inkl. 1,4x- und 2x-Konverter. Mit diesem Set bin ich sehr zufrieden, einige Bildbeispiele sind in der Bildergalerie zu sehen.

 

Mittelformat-Objektive adaptieren, so geht’s:

Bei der Objektivwahl ist mir wichtig, dass die Größen-Relation zwischen Objektiv und Kamera gewahrt bleibt, zumal ein zusätzlicher Adapter zum Ausgleich des Auflagemaßes die gesamte Konstruktion noch um ein paar weitere Zentimeter verlängern kann. In der Regel verfügen die Mittelformatobjektive über einen größeren Durchmesser, was an einem kleinen Kameragehäuse unverhältnismäßig wirken könnte.

Fujica Fujinon

Beim Mittelformat-Objektive adaptieren sollten diese auch authentisch sein. So habe ich recherchiert, ob es aus dem Hausse Fuji bereits zu Analogzeiten Wechselobjektive im Mittelformat gab. Bereits in den 60er-70er Jahren hatte Fujica Fujinon mit der GL 690 eine Mittelformatkamera mit Messsucher gebaut, die weltweit unter dem aussagekräftigen Namen “Texas-Leica” Bekanntheit erlangte. Warum also nicht die Fuji-Mittelformatgläser von damals an die Fuji GFX bringen?! Diese Wechseloptiken mit Zentralverschluss sind fast ausschließlich in Japan und USA aufzutreiben. Ein 65mm, 100mm und 180mm habe ich importiert und mit der freundlichen Unterstützung des Forenbetreibers des digicamclub mit einem eigens dafür gedrehten Adapter an die GFX gebracht. Die mit der Systemkamera möglichen hohen ISO-Werte und digitalen Helferlein garantieren selbst bei relativ lichtschwachen Objektiven wie f8 65mm ein helles Sucherbild. Die massiven Objektive aus Metall und Glas vermitteln einen wertigen Eindruck und können sich qualitativ sehen lassen. Wenn auch Sie Mittelformat-Objektive adaptieren wollen, hier ein paar Tipps ud Tricks sowie Anregungen zu den jeweiligen Marken, Modellen und Optiken.

Mittelformat-Objektive adaptieren, z.B. das abgebildete Fujica Fujinon f8 65mm
Fujica Fujinon f8 65mm der Fuji Rangefinder G690 (“Texas-Leica”) mit Adapter-Unikat

 

Carl Zeiss Jena/Pentaconsix

Bereits im Vollformatbereich hatte ich eine Vorliebe für die Gläser von Carl Zeiss Jena entwickelt. Also warum nicht auch Mittelformat-Objektive adaptieren?! Die Objektive für die Mittelformatkamera Pentaconsix sollten auch den Bildkreis der GFX ausleuchten. Hiervon sind das 50er, 80er und 120er und 180mm Olympia Sonnar bereits erfolgreich getestet. Die genannten Gläser sind ausgesprochen wertig verarbeitet und bieten genau jene Bildanmutung, die es mir wert sind bewahrt zu werden.

Leica-R

Qualitativ besonders anspruchsvoll wird es, wenn an einer Mittelformatkamera Objektive genutzt werden sollen, die ursprünglich fürs Kleinbildformat gerechnet worden waren. Denn die Schwächen eines Vollformatobjektivs werden am Mittelformat-Sensor erstrecht offensichtlich. Daher kommen zum Adaptieren ausschließlich Linsen in Betracht, die eine hohe Schärfeleistung von der Bildmitte bis zum Bildrand mitbringen, wie z.B. die Optiken aus dem Hause Leitz. Die hervorragenden Objektive der parallel zur Messucher-Linie M entwickelten Spiegelreflex-Modelle Leicaflex und Leica-R eilen ihrem Ruf voraus. Die beiden 90mm Summicron (f2) und Elmarit (f2,8) sowie das 135er werden diesem absolut gerecht. Die Leica-R Objektive sind an der Mittelformatsystemkamera relativ klein im Durchmesser, trotz Adapter vergleichsweise kurz und somit absolut reisetauglich. Update: Neu eingetroffen ist ein lange beobachtetes Leica R-Spiegeltele 8/500mm, das erstaunlich leicht und haptisch hochwertig in der Hand liegt und ohne jegliches Vignettieren außergewöhnlich scharf und kontrastreich abbildet.

Pentax 645

Um es vorweg zu nehmen: Die Pentax-Mittelformatobjektive sind subjektiv für mich die Highlights an der GFX. Nach den Optiken der 645er-Serie hat sich mein Blick nun den Takumaren der 6×7 zugewandt. Auf meinem Schreibtisch liegt nun eine Optik der Pentax 67 bereit und wartet auf den GFX-Adapter. Bei diesen Pentax 6×7-Objektiven habe ich das Gewicht bewusst ignoriert und mich auf die besonders kompakten Modelle konzentriert. Deren Gewicht ist zwar spürbar höher und der Durchmesser deutlich dicker als jene der 645. Dabei bleiben sie jedoch überraschend kurz, obgleich ja noch die Baulänge des GFX- Adapters hinzu kommt. Selbst die Objektivdeckel sind äußerst wertig aus Metall gearbeitet. Als Beifang war noch ein Skylightfilter dabei, der die Gläser vor dem Staub der Jahrzehnte bewahrt hatte. Es handelt sich um das f2,4 105mm. Dieses lichtstarke 105er ist bekannt für seine Schärfe und sein Bokeh, ich habe es für Portraits auf kurze Distanz gedacht. Den Fotodiox-Adapter hatte ich wegen des unkomfortablen Stativanschlusses gegen den Kipon getauscht.

Der spürbare Grenznutzen beim Upgrade vom Kleinbildformat zum Mittelformat entspricht auf dem Papier einer Steigerung von 12MP auf 50 MP bei 1,7-fach größerem Sensor. Beim Reinzoomen in die unglaublich scharfen Aufnahmen stellt sich regelmäßig ein breites Grinsen ein, wenn dank der Cropreserven verborgene Bilddetails erscheinen. Mit der Fuji GFX 50S und manuellen Gläsern fotografiere ich wieder viel entschleunigter, mein einziges GFX-Autofokus-Objektiv, den zweifellos hervorragenden Fuji 45mm-Plastikbomber habe ich wieder verkauft und zur Refinanzierung von Vintage-Optiken eingesetzt. Für sich schnell bewegende Wildtiere o.ä. nutze ich ohnehin eine A7II mit Stabi oder eine mittlerweile hervorragende Sony-Bridge.

Mamiya RB/RZ 67

Bei Mamiya hatten es mir die Objektive der RB/RZ 67 angetan. Insbesondere kommt das 180er mit seinen Vorschusslorbeeren in Betracht, eines der besten Porträtobjektive zu sein. Die bereits erstandenen 127 und 180 mm-Optiken bilden extrem scharf ab und verfügen über ein cremiges Freistell-Bokeh. Ein RZ 50mm aus Japan befindet sich auf dem Weg. Das 75mm Shift habe ich getestet und als zu schwer befunden. Wenn man nicht ausschließlich Architektur fotografiert, halte ich den Aufwand für ein Tilt/Shift ohnehin für unangemessen, zumal etwaige stürzende Linien bei Bedarf mal eben mit ein paar Klicks nachbearbeitet werden können.

Der Mamiya RB67 GFX-Adapter ist ein durchdachtes Teil. Der mechanische Anschluss gleicht dem der Pentaconsix. Zum Montieren werden zunächst wie üblich die roten Markierungen zur Übereinstimmung gebracht und das Objektiv an den Adapter angesetzt. Man dreht allerdings nicht das ganze Objektiv in das Bajonett, sondern verriegelt nur das Überwurfbajonett des Adapters. Ein Fokusring am Adapter ersetzt die fehlende Entfernungseinstellung der RB und RZ-Objektive. Um ein solches Objektiv nutzen zu können, muss zunächst an einem zweiten Ring mit einer links-rechts-Bewegung der Zentralverschluss des Objektivs gespannt werden. Nur wenn die Verschlusszeit “T” ausgewählt wird, öffnen und schließen sich die Lamellen beim Drehen des des Blendenrings. Für die geringfügig abweichenden Auflagemaße der Mamiya RB- und RZ-Optiken gibt es am Fokusring eine passende Markierung für unendlich. Den für Freihandbetrieb unhandlichen Stativanschluss habe ich auch hier demontiert. Der aufwändige Adapter ist zwar nicht ganz billig, jedoch angemessen wertig verarbeitet mit der Anmutung eines Objektivbajonetts. Zumal ich mindestens drei dieser herausragenden Objektive im Visier habe, lohnt sich wohl die Anschaffung, denn diese Gläser sind dann vergleichsweise günstig zu haben. Aufgrund des sehr hohen Auflagemaßes und damit besonders langen Adapters habe ich die Mamiyas inzwischen aber wieder veräußert.

Rolleiflex 600X

Hier gibt es einiges zu entdecken. Ein Rollei-Glas mit dem Zeiss-Namen “Distagon” f4/50mm hat den Weg an die GFX gefunden, allerdings nur durch einen aufwändigen GFX-Adapter mit eigenem Blendenring, obgleich ich es am liebsten bei Offenblende betreibe. Das attraktive Objektiv mit seinem silbernen Filtergewinde ähnelt optisch den West-Zeiss-Optiken der Ikon Icarex.

Kein Risiko: Wer Mittelformat-Gläser adaptieren und testen will, kann sie ohne Risiko mitsamt Adapter verlustfrei wieder verkaufen: Die o.g. herausragenden großen und schweren getesteten Objektive der Mamiya, Pentax67 und Rolleiflex-Studio-MF-Kameras hat inzwischen ein begeisterter Fotokollege im Einsatz. Und der Rest? Ein paar durften bleiben:

 

Meine Top Ten-Objektive an der Fujifilm GFX

Auf Platz 1 liegt das fürs Vollformat gerechnete Canon 2,8 200mm L. Eine scharfe Linse mit schönem Freistelleffekt am Mittelformat. Der Kipon EF Autofokus-Adapter macht es möglich. In Kombination mit den Godox-Funkblitzgeräten besonders bei Events bewährt.

Platz 2 belegt eines der besten Weitwinkel überhaupt, das 35mm von der Mittelformat-Pentax 645. Das 150mm der Pentax 645 ist ein beeindruckend kleines und leichtes Porträt. Auch das an der aktuellen Fujifilm besonders authentische Fujiica Fujinon 3,5 100mm der Mittelformat-Texas-Leica durfte bleiben. Das Pentax 150-300 Zoom ist am Mittelformat ähnlich universell einsetzbar wie am Kleinbild ein 70-200mm. Das 400m mit 2x-Extender in Kombination mit dem großen Sensor holt alle Reserven des Mittelformats raus. Auch ohne AF und IS.

Dahinter kommen das 50mm, 80mm und 120er Carl Zeiss Jena von der Pentaconsix. Zuletzt kam ein 180mm Olympia-Sonnar hinzu, während ich mich ja von zwei späteren 180ern aus Haptikgründen wieder getrennt hatte. Das mit 30mm weitwinkligste P6-Objektiv aus russischer Nachfolgeproduktion mit Fisheye-Anmutung kann eine Alternative darstellen für alle, denen das Laowa 17mm zu teuer erscheint.

Wenn es klein und leicht sein soll und ausreichend Licht vorhanden, greife ich auch gerne zum f8 500 Spiegeltele der Leica-R.

Mein einziges neues, natives Fuji-Objektiv mit Autofokus und G-mount ist inzwischen das kompakte, leichte und daher besonders reisetaugliche 50mm, das es im März 2020 sogar günstig in einer Rabattaktion gab. Die Bildqualität all dieser neuen Mittelformat-Objektive ist schlichtweg gigantisch. Die Haptik mag ich sogar bei den alten Optiken mehr.

Fortsetzung folgt.

11 Kommentare

    • Hallo Bernhard, schön Dich hier zu treffen.
      Ich hatte mich bereits im DCC von Deinen Contaflex-Adaptionen insprieren lassen.
      Gruß Jürgen

  1. Hallo Jürgen

    Toller Bericht, vielen Dank dafür. Da ich am überlegen bin nun doch endlich von analog zu digital zu wechseln wäre es super du könntest mir schreiben wo man die Adapter her bekommt. Ich habe bei Google nicht viel gefunden. Grüße

  2. Das 200er hat eine Rand-Vignette bei Blende 8-11 – der Autofocus pumpt mit dem Tech-Art Adapter ordentlich: 1-2 Sekunden, gerne auch Schärfe erst nach Wiederholung – nicht wirklich tauglich.

    • Hallo Thomas, das ist interessant. Das klingt allerdings sehr nach einem Adapterthema. Ich habe den Kipon an der Fuji in Kombination mit dem Canon und möchte diese nicht mehr missen. Die genannten Symptome kann ich nicht bestätigen. Also gerne mal ausprobieren! Beste Grüße Jürgen

  3. Hallo, toller Bericht vielen Dank. Ich habe im Moment lediglich den Body der GFX 50 R und bin wirklich am überlegen welche Objektive ich den nutzen kann bzw. soll!
    Ich habe ein tolles Distagon 35mm mit Canon-Anschluss. Macht das wirklich sinn auf dem grösseren Sensor der Fuji? Oder soll ich evtl. Mamiya Objektive verwenden?
    Gruesse Andreas

    • Hi Andreas, Zeiss Distagons gab es ja auch für die Contax, aber manchmal muss man ein Vollformatglas schlichtweg testen ob es vignettiert. Mehr als einen Adapter kostetet es ja nicht.
      Die Mamiyas sind richtig klasse, aber das Auflagemaß ist riesig und die Objektive sind sehr groß und schwer. Deshalb bin ich eher Pentaxianer.

  4. Sorry meine späte Antwort und vielen Dank für deine Tips. Du hast recht, man muss einfach testen. Ich probier es mal mit den neueren Voigtländern mit Leica M-Mount, die sehen sehr zierlich aus und passen trotzdem fürs Auge…… welches ja bekanntlich immer mit isst ;-)…..

  5. Zu Mamiya-Sekor hätte ich noch eine Empfehlung – nämlich deren 645er Baureihe Sekor C wobei ich insb. die Objektive mit 100, 150 und 210 mm sowie das 50mm Shift erwähnen möchte, die mittels des Kipon-Adapters M645/GFX perfekte Resultate liefern.

    Eine weitere Alternative wären die Zenzanon-Objektive der Bronica ETR, für die dann aber wie bei RB67 auch der Zentralverschluß aufbleiben müßte.

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